Geschichte und Stil

 

Das Okinawa-Karate ist ein von harten und hochwirksamen Nahkampftechniken geprägter Karatestil, der eigentlich die Beherrschung der Kobudowaffen miteinschließt. Doch zunächst etwas zur Geschichte:

 

Okinawa, die größte Insel des Ryukyu-Archipels erstreckt sich von Japan im Norden bis zur Grenze Chinas im Süden. Sie ist die Wiege des Karate und der Waffenkunst Kobudo – nicht, wie oft fälschlicherweise angenommen, Japan. Okinawa ist heute zwar eine Japanische Präfektur was aber dennoch nicht heißt, dass es eine Japanische Kampfkunst ist!!.

Vorrangig durch den Einfluss chinesischer Kampfkünstler, die als Kaufleute, Lehrer, Beamte etc. ihren Weg nach Okinawa fanden, wurde die alte okinawanische Kampfkunst Ti („Technik“) positiv bereichert. Aus dem eher kargen und einfach strukturierten Stil wurde zunächst das Tode („Technik aus China“). Die Bereicherung durch das Shaolin Quanfa in technischer und spiritueller Hinsicht trug viel dazu bei, dass sich auf Okinawa zwischen 1368 und 1644 im Verborgenen ein hochwirksames Selbstver-teidigungssystem, genannt "Tode" etablierte, das viele Griffe und Hebel, Würge- und Wurftechniken, Befreiungstechniken, Technik der klebenden Hände und die Kenntnisse der Vitalpunktstimulation = „Tuite / Kyushojitsu“ enthielt. Freilich trafen die kulturell nicht so hochentwickelten Okinawaner, großenteils Analphabeten, eine Auswahl  der  Techniken, die am sichersten Erfolg versprachen, sich gegen die Willkür und Grausamkeit der Herrscher und Besatzer zu wehren. Das Tragen von Waffen war den Einwohnern über 300 Jahre bei Todesstrafe verboten - angefangen 1422 durch König Sho Hashi, ab 1609 durch die Samurai (Satsuma- Clan); darum stählten sie ihre Finger, Fäuste und Gliedmaßen durch Makiwara- und andere Abhärtungstrainings (Hojo Undo). Aus dieser Zeit stammt auch der Ausdruck "Ikken hissatsu", was bedeutet: den Gegner mit einem einzigen Schlag zu töten, wenn sich die Gelegenheit bot. Man sagt, dass diese Fausthiebe sogar die Panzer der Samurai durchdringen konnten. Alltagsgegenstände der Fischer und Bauern wie Sicheln, Stöcke, Paddeln, Fischernetze etc... wurden in ihrer Handhabung perfektioniert und als Hilfsmittel im Kampf eingesetzt = Kobujutsu/ Kobudo (siehe "Trainingsinhalte" unserer Homepage).

 

Etwa im 17. Jahrhundert hatten sich durch unterschiedliche Lehrer und Bedingungen zwei Hauptstile auf der Insel etabliert: Das Shorin-ryu (Shorin = Shaolin) – ausgeübt in der Region der Hauptstädte Shuri und Tomari und das Shorei-ryu (vermutlich nur ein anderer Dialekt für Shaolin) der Hauptstadt Naha. Um ihre Eigenständigkeit zu verdeutlichen, nannten die Okinawaner ihre nach ihren Bedürfnissen geschmiedete Kampfkunst schließlich einheitlich Okinawa-te („Okinawatechnik / Okinawa-hand“).

 

Die Weitergabe der Techniken gestaltete sich jedoch schwierig, da auch das bloße Ausüben der Kampfkunst streng verboten war. So bündelten Meister Ihr Wissen und Können in einem von Ihnen festgelegten Bewegungsmuster, der Kata, die für Ungeübte wie eine Art Stammestanz (Odori) aussah. Nur für einzelne vertrauenswürdige Schüler = „Uchi-deshi“ wurden die darin enthaltenen Techniken von Ihnen verständlich bloßgelegt, dechiffriert und damit aktiviert. Viele Meister nahmen ihr Wissen auch mit ins Grab. Aus dem Grund, und auch, weil das Wissen auf Okinawa ausschließlich mündlich weitergegeben wurde, ging viel  davon verloren.

 

Der Begriff „Karate“ (“leere Hand“, „Chinahand“), bzw. „Okinawa-Karate“ ist ein moderner Begriff, der erst nach 1921, nach der Einführung des Stils durch Funakoshi in Japan´s Schulen und Universitäten von Japan geprägt und quasi nach Okinawa reimportiert wurde. Bei dieser Einführung wurden durch Funakoshi Gichin absichtlich einige gravierende Änderungen vorgenommen. So wurden gefährliche Techniken herausgenommen oder verschleiert, Kata´s für schnellere Erfolgserlebnisse in leichter erlernbare Teile zerpflückt (Beispiel: Kanku-Dai wurde zu den 5 Heians) und das Gürtelrangsystem eingeführt. Er kam damit dem Wunsch der Japaner nach Körperertüchtigung und dem Augenmerk auf ästhetische, beeindruckende Techniken wie hohe Kicks entgegen und legte damit den Grundstein für das spätere, auch in der heutigen Zeit meistbekannte Sport- und Wettkampfkarate. Leider führte diese Entwicklung zu einer weiteren erheblichen Verarmung.

 

Erst nach dem 2. Weltkrieg etablierten sich viele der heute bekannten Karaterichtungen wie Shotokan, Kyokushin-Kai oder Matsubayashi-Ryu, das erste Karate-Dojo in Deutschland wurde 1957 von Jürgen Seydel eröffnet.

 

Der von uns praktizierte Karatestil ist eine Synthese aus den alten und aus neueren Stilelementen. Unser System kennt verschiedene Entwicklungsstufen wichtiger Katas und setzt z.B. die heute bekannte Kanku-Dai neben die alte Chatan Yara Kushanku , die Empi neben den Vorläufer Wansu... Ebenso wird dem Bunkai, d.h. den Anwendungsschatz  der Katas für Befreiungs- Hebel- oder andere Kyusho Techniken immense Bedeutung zugeschrieben, was sich im Training wiederspiegelt. Ohne Bunkai macht Kata keinen Sinn. Auch den Umgang mit den traditionellen Okinawawaffen kann man bei uns lernen, was heutzutage eher die Ausnahme ist. Obwohl wir uns als traditionell definieren und auch auf die Vermittlung geistiger Inhalte des Karate Wert legen, haben unsere Schüler die Möglichkeit ihr Können an stiloffenen Turnieren unter Beweis zu stellen.

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